Integration

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>>>Oldenburgische Volkszeitung, 24.04.2003<<<

Integration als Pflichtprogramm
Theologe rät zu neuer Prozentregelung

Lohne (hib) - Ein deutliches Ja zur Integrationsarbeit ist der Rat, den Professor Karl-Josef Lesch, Institut für Katholische Theologie an der Hochschule Vechta, jetzt den für die Bekenntnisschulen im Kreis Verantwortlichen gibt. Die 15-Prozent-Regelung, die derzeit vorschreibt, wie viele Kinder nicht der Mehrheitskonfession angehören dürfen, müsse endgültig aufgeweicht werden, meint der Lohner Wissenschaftler. Schließlich beweise die in seiner Heimatstadt geführte Diskussion, dass der Ist-Stand nicht mehr haltbar sei.

Zwar habe die Bekenntnisschule in einem festen Milieu eine wichtige Funktion - die der Milieustärkung nämlich. Doch genau diese einheitliche Struktur sei nicht mehr vorhanden. "Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft", meint Lesch. Darauf müssten die Bekenntnisschulen reagieren und ihre Schützlinge entsprechend vorbereiten. Die bislang praktizierte Abschottung sei keine Lösung.

Durch die sich stetig verändernden Bevölkerungszahlen würden konfessionsgebundene Einrichtungen umgekehrt jedoch nicht überflüssig - wenn sie die gesellschaftlichen Veränderungen als Auftrag verstünden. "Die Bekenntnisschule ist nur dann noch legitim, wenn sie sich verpflichtet, ihren Beitrag zur Integration zu leisten." Der dürfe nicht nur zahlenmäßig durch einen steigenden Anteil von nicht- katholischen Kindern erfüllt werden, sondern müsse inhaltliche Konsequenzen haben. Dann würden die Schüler, so der Theologe, das christliche Menschenbild im Umgang miteinander erfahren.

Religiöses Brauchtum könne und müsse bei einen höheren Anteil von nicht-katholischen Kindern weiterhin offensiv praktiziert werden. Im Gegenzug dürfe allerdings die intensive Auseinandersetzung mit anderen Religionen nicht fehlen. "Das ist eine ganz neue Chance für das Schulprofil der katholischen Einrichtungen", meint Lesch.

Welche neue Prozentzahl der Lohner für denkbar hält? "Hier müsste natürlich eine intensive Diskussion mit den Schulleitern erfolgen", ist der Wissenschaftler vorsichtig. Denkbar seien bis zu 30 Prozent, die an einer Bekenntnisschule nicht der Mehrheitskonfession angehören könnten. Eine deutlich höhere Quote sei allerdings kaum möglich. "Dann hätte sich die Gesellschaftsstruktur ohnehin so weit verändert, dass die Bekenntnisschule als Institution mit einem dicken Fragezeichen versehen werden müsste", meint Lesch.

 

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Stand: 23.11.06